Tiefere Elterntarife, mehr Erwerbstätigkeit: drei Modelle für den Aargau

Heute tragen Eltern im Aargau rund 90 % der Betreuungs­kosten – schweiz­weit ein Spitzen­wert. Im Auftrag des Kantons haben wir drei alternative Finanzierungs­varianten entwickelt und ihre Wirkung auf Familien, Kinder, Einrichtungen und Volks­wirtschaft durch­gerechnet.


Der Kanton Aargau will mit dem Entwicklungs­leitbild 2025–2034 seine Attrakti­vität als Lebens‐ und Arbeits­ort steigern. Ein zentraler Hebel ist die Verein­barkeit von Familie und Beruf. Weil Eltern heute fast die gesamten Tarife der familien‐ und schul­ergänzenden Kinder­betreuung selbst tragen, belastet dies gerade den Mittel­stand und reduziert Erwerbs­anreize.

Der Kantonale Sozial­dienst beauftragte econcept deshalb, Vorschläge für ein neues Finanzierungs­modell zu erarbeiten. Ziel war es, Familien mit tiefem und mittlerem Einkommen gezielt zu entlasten, die Erwerbs­quote zu erhöhen und so dem Fachkräfte­mangel entgegen­zuwirken. Gleich­zeitig waren die finanziellen und personellen Kapazitäten von Kanton und Gemeinden zu berück­sichtigen.

econcept analysierte zunächst bestehende kantonale Finanzierungs­modelle und vertiefte jene Kantone mit aktuellen Gesetzes­revisionen. Auf dieser Basis und im Austausch mit einer Begleit‐ und Expert:innen­gruppe entstanden drei Varianten:

  • eine einkommens­abhängige Subjekt­finanzierung,
  • eine pauschale Betreuungs­zulage pro Betreuungs­tag,
  • ein differen­ziertes Modell, das beide Logiken kombiniert.

Die Kosten und Effekte schätzte econcept mit aggregierten Steuer­daten des Kantons sowie einer mehr­stufigen Input-Output-Analyse.

Die Wirkungs­analyse zeigt: Tiefere Eltern­tarife erhöhen Nachfrage, Betreuungs­quote und Erwerbs­tätigkeit. Je nach Variante entstehen bis zu 1'400 zusätz­liche Vollzeit­stellen im Betreuungs­sektor und bis zu 3'360 zusätz­liche Vollzeit­äquivalente bei den erwerbs­tätigen Eltern. Die zusätz­liche Wert­schöpfung liegt zwischen 0.6 Mrd. CHF und 1.1 Mrd. CHF jährlich, was 1.3 % bis 2.4 % des kantonalen BIP entspricht. Diesem Nutzen stehen Kosten von jährlich 100 Mio. CHF bis 260 Mio. CHF für die öffent­liche Hand gegenüber. Höhere Steuer­einnahmen federn diese teilweise ab, doch verbleibt in jeder Variante eine Netto­belastung.

econcept legt mit der Kosten‐ und Wirkungs­analyse die Grundlage für den politischen Entscheid, wie der Kanton die Kinder­betreuung künftig aus­gestaltet und welche Akteure welche Anteile tragen.

>> Zum Schlussbericht.