Wie viel «Berufliche Orientierung» braucht es in der Lehrpersonen-Ausbildung?
Auf der Sekundarstufe I werden Jugendliche schrittweise an die Berufswelt und weiterführende Bildungsmöglichkeiten herangeführt. econcept und das Büro Morpho untersuchten für den Kanton Aargau, inwiefern die PH FHNW angehende Lehrpersonen optimal auf diese wichtige Aufgabe vorbereitet.
Ein Postulat im Aargauer Parlament forderte zu prüfen, wie «Berufliche Orientierung» (BO) in der Ausbildung von Lehrpersonen an der PH FHNW gestärkt werden kann. Der Handlungsbedarf wurde damit begründet, dass BO ein zentrales Thema auf der Sekundarstufe I sei, im Studium an der PH FHNW jedoch nur mit kleinem Umfang behandelt werde. Der Regierungsrat des Kantons Aargau gab dazu eine vertiefte Analyse in Auftrag.
Ziel der Analyse war es, Umfang und Inhalte der Aus‐ und Weiterbildungen in BO an der PH FHNW zu untersuchen und mit anderen Deutschschweizer PH zu vergleichen. Zudem sollten Bedarfe der Aargauer Schulen nach umfangreicherer Ausbildung oder zusätzlicher Weiterbildung in BO erhoben und Möglichkeiten für Weiterentwicklungen aufgezeigt werden.
Der Bericht zeigt, dass das Ausbildungsangebot der PH FHNW solide und inhaltlich mit dem anderer PH vergleichbar ist, der Praxisbezug allerdings weniger ausgeprägt ist. Das Weiterbildungsangebot wird als positiv und praxisnah beurteilt, die Nachfrage ist aber eher gering. Die Umsetzung von BO an Aargauer Schulen wird von Schulleitungen und Lehrpersonen als insgesamt positiv, aber auch heterogen beurteilt.
Aus diesen Befunden leiteten wir gemeinsam mit dem Büro Morpho drei Empfehlungen zuhanden des Kantons Aargau ab:
- Mit der PH FHNW in einen Austausch treten hinsichtlich der bereits geplanten praxisorientierten Module im Wahlpflichtbereich;
- prüfen, inwiefern die Schulleitungen ausreichend für die Umsetzung von BO an ihren Schulen befähigt werden;
- den Schulen verbindliche Mindestvorgaben zur Umsetzung von BO setzen, statt nur Empfehlungen formulieren.
Der Regierungsrat hat die von uns vorgeschlagenen Stossrichtungen in seiner Botschaft an den Grossen Rat grundsätzlich aufgenommen. Er sieht aber davon ab, den Aargauer Schulen zusätzliche Vorgaben zu machen. Stattdessen sollen die Umsetzung der bestehenden Vorgaben besser überprüft und die Schulen bei der Förderung von BO stärker unterstützt werden.