«Zürich schaut hin» wirkt – Evaluation empfiehlt Institutionalisierung
Frauen*, junge Menschen und Minderheiten sind im Stadtzürcher öffentlichen Raum überdurchschnittlich oft von Belästigungen betroffen. econcept evaluierte «Zürich schaut hin» und zeigt: Der systemische Ansatz der Stadt Zürich wirkt.
Das Präsidialdepartement und das Sicherheitsdepartement der Stadt Zürich lancierten 2021 gemeinsam das Projekt «Zürich schaut hin» – gegen sexuelle, sexistische, homo‐ und transfeindliche Belästigungen im öffentlichen Raum und im Nachtleben. Auslöser waren mehrere heftige, öffentlich diskutierte Vorfälle im Jahr 2018 sowie die Istanbul-Konvention, die die Schweiz zu Prävention und Schutzmassnahmen gegen geschlechtsspezifische Gewalt verpflichtet. Im Hinblick auf das Ende der Projektlaufzeit 2025 und eine allfällige Institutionalisierung gab die Stadt Zürich bei econcept eine Evaluation in Auftrag.
Komplexe Wirkungsziele methodisch fundiert beurteilen
Projekte, die auf Verhaltens‐ und Normenwandel abzielen, stellen evaluierende Stellen vor besondere Herausforderungen: Gesellschaftliche Wirkungen entstehen über lange Zeiträume, involvieren viele Akteur:innen und lassen sich kaum eindeutig kausal zuordnen. econcept kombinierte quantitative Datenanalysen – darunter über 2'400 Einträge im Online-Meldetool sowie zwei repräsentative Bevölkerungsbefragungen des Forschungsinstituts Sotomo (2021 und 2025) – mit zwei qualitativen Fokusgruppen mit Vertreter:innen von elf Allianzpartner:innen aus Zivilgesellschaft und Stadtverwaltung. So flossen sowohl messbare Wirkungsindikatoren als auch branchenspezifische Praxiserfahrungen in die Beurteilung ein.
Die Evaluation zeigt: Die Kommunikationskampagnen von «Zürich schaut hin» aktivierten die Bevölkerung wirksam – nach grossen Kampagnen stiegen die Meldezahlen jeweils deutlich an. Das Online-Meldetool ist rund einem Drittel der Stadtbevölkerung bekannt. Die Weiterbildungsangebote wurden als praxisnah beurteilt – besonders wirksam waren interaktive, theaterbasierte Formate, in denen konkrete Belästigungsszenarien geprobt wurden. Die Allianz aus über 40 zivilgesellschaftlichen und privaten Organisationen hat wesentlich zur Sichtbarkeit und Glaubwürdigkeit des Projekts beigetragen.
Empfehlungen und Weiterführung
Auf Basis der Evaluationsergebnisse empfiehlt econcept die institutionelle Verankerung des Projekts. Im Bereich Gleichstellung und Gewaltprävention braucht es Kontinuität: Normwandel entsteht nicht durch einzelne Kampagnen, sondern durch beständige, zielgruppengerechte Massnahmen und eine starke Vernetzung relevanter Akteur:innen. Konkret empfiehlt econcept, die Kampagnen differenzierter auf spezifische Lebensräume auszurichten, die Meldetool-Daten transparenter zu nutzen und die Allianz zu einer aktiven Austauschplattform weiterzuentwickeln.
Die Stadt Zürich ist diesen Empfehlungen bereits gefolgt: Wie die Medienmitteilung vom Januar 2026 zeigt, wird «Zürich schaut hin» als fixes städtisches Angebot weitergeführt und in die bestehende Delegation Stadtleben im öffentlichen Raum integriert. Als nächste Massnahmen sind Aktivitäten im Bereich häusliche Gewalt geplant.