Nationale Ge­sund­heits­stu­die: econcept bewertet Finan­zie­rungs‑ und Orga­ni­sa­tions­optionen

Die Schweiz hat eine Lücke bei Ge­sund­heits­da­ten – mit Folgen für Forschung und Ge­sund­heits­po­li­tik. Wie eine nationale Ge­sund­heits­stu­die fi­nan­ziert und or­ga­ni­siert werden könnte, untersuchte econcept im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit.


In der Schweiz sind Ge­sund­heits­da­ten häufig fragmentiert, kaum vergleichbar und von schlechter Qualität. Der Bundesrat beauftragte deshalb das Bundesamt für Gesundheit (BAG) gemeinsam mit den Bun­des­äm­tern BAFU, BFS, BLV, SBFI und SECO, die or­ga­ni­sa­to­ri­schen, finanziellen und rechtlichen Vor­aus­set­zun­gen für eine langfristig angelegte nationale Ge­sund­heits­stu­die zu klären. econcept unterstützte das BAG bei der Analyse von Fi­nan­zie­rungs‐ und Or­ga­ni­sa­tions­op­tio­nen.

Empfehlung: öffentliche Hand als tragende Finanzierungspartnerin

econcept identifizierte und charakterisierte bestehende nationale und internationale Ver­gleichs­in­sti­tu­tio­nen, darunter die deutsche NAKO-Ge­sund­heits­stu­die, die UK Biobank sowie die französische CONSTANCES-Kohorte. Zwölf Fi­nan­zie­rungs­op­tio­nen wurden anhand der Kriterien Teil­nah­me­be­reit­schaft, Pro­jekt­in­te­gri­tät, nachhaltige Finanzierung und Umsetzbarkeit bewertet und zu sieben exemplarischen Fi­nan­zie­rungs­va­ri­an­ten sowie einer Übersicht zu geeigneten Or­ga­ni­sa­tions­for­men verdichtet.

Die Analyse zeigt, dass Fi­nan­zie­rungs­op­tio­nen mit starker Beteiligung der öffentlichen Hand die höchste Eignung aufweisen. Bund und Kantone wurden aufgrund ihrer Wirkung auf Teil­nah­me­be­reit­schaft, Pro­jekt­in­te­gri­tät und langfristige Pla­nungs­si­cher­heit als prioritär eingestuft. Ergänzend können Mittel aus For­schungs­pro­gram­men, Stiftungen und privaten Kooperationen den Fi­nan­zie­rungs­be­darf entlasten. Für die Or­ga­ni­sa­tions­form empfiehlt econcept – je nach gewählter Fi­nan­zie­rungs­va­ri­an­te – eine Einheit innerhalb eines Bundesamts, eine autonome öffentliche Einrichtung oder eine öffentlich-privat-kooperative Struktur (Public Private Partnership). Die Ergebnisse flossen als Anhang 4 in den FOR-SHeS-Schlussbericht des BAG ein.

Sistierung – aber der Bedarf bleibt

Im April 2025 sistierte der Bund das Projekt aufgrund der angespannten Finanzlage. Der Bedarf an Daten zur Um­welt­ge­sund­heit der Bevölkerung bleibt dennoch bestehen: Po­li­ti­sche Reaktionen und eine Prüfung der Eidgenössischen Finanz­kon­trolle (EFK) zum Umgang des Bundes mit problematischen Stoffen unterstrichen den Hand­lungs­be­darf explizit – insbesondere für das Hu­man­bio­mo­ni­to­ring (HBM) von Chemikalien. Als möglicher Anknüpfungspunkt wird ein kleineres, spezifisch auf HBM ausgerichtetes Programm diskutiert – etwa im Rahmen des vom Bundesrat geplanten Aktionsplans zu langlebigen Chemikalien wie PFAS oder eines nationalen For­schungs­pro­gramms (NFP), das derzeit vom Schweizerischen Nationalfonds begutachtet wird.

>> Zum Bericht des BAG.