Förder­instrumente anpassen, Wissenstransfer stärken: Was die Evaluation der Schweizer Berufsbildungs­forschung zeigt

Leading Houses, Einzel­projekte, Valorisierungs­lücken: Die Evaluation der SBFI-Förderung der Berufsbildungs­forschung zeigt, wo die Schweiz gut aufgestellt ist und wo dringender Handlungs­bedarf besteht.


Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) fördert seit über 20 Jahren direkt Forschung zur Berufsbildung in der Schweiz über sogenannte Leading Houses an universitären Hochschulen sowie über Einzel­projekte an allen Hochschultypen. Ziel ist die nachhaltige Verankerung einer wissenschaftlich fundierten Berufsbildungs­forschung sowie die Stärkung der evidenz­basierten Berufsbildungs­politik. Im Auftrag des SBFI hat econcept diese Förderung evaluiert und dabei den Zeitraum von 2015 bis 2024 unter die Lupe genommen.

Für die Evaluation hat econcept ein mehrstufiges Methoden­design eingesetzt: Dokumenten- und Daten­analysen, eine bibliometrische Analyse der Publikationen, 23 explorative und vertiefende Interviews, eine Online-Befragung bei 103 Berufsbildungs­forschenden sowie einen Validierungs­workshop mit SBFI-Leitungspersonen. Die Ergebnisse wurden trianguliert und zu einem kohärenten Gesamtbild verdichtet.

Was gut funktioniert — und was weniger

Die Evaluation zeigt: In den rund 20 Jahren seit Beginn der direkten Bundesförderung hat sich eine lebendige Berufsbildungs­forschungs-Community etabliert. Forschende an universitären, pädagogischen und Fach­hochschulen publizieren regelmässig in internationalen Fach­zeitschriften und sind im internationalen Fachdiskurs sichtbar. Das Instrument der Leading Houses wird für seine Kontinuität geschätzt. Es ermöglicht einer Forschungs­gruppe die vertiefte Befassung mit einem Gegenstand über mehrere Jahre. Gleichzeitig stösst das Instrument an seine Grenzen, etwa in der Umsetzung der Institutionalisierung oder bei neuen Ausschreibungen.

Die Evaluation deckt erhebliches Optimierungs­potenzial auf. Der Transfer von Forschungs­resultaten in Berufsbildungs­politik und ‐praxis gelingt noch ungenügend: Projekte entsprechen oft nicht dem aktuellen Bedarf von Politik und Praxis, etablierte Gefässe für den Wissenstransfer fehlen, und häufig scheitert die Valorisierung am Projektende. Hinzu kommen Defizite bei der Transparenz der Förder­prozesse und Vergabe­kriterien.

Sieben Empfehlungen für eine zukunftsfähige Förderung

econcept empfiehlt dem SBFI, die Förderung der Berufsbildungs­forschung grundsätzlich weiterzuführen, dabei jedoch die Instrumente zu modernisieren: Keine neuen Leading Houses mehr ausschreiben, dafür das pausierte Instrument der Einzel­projekte wieder aufnehmen und gezielter gestalten. Zentral ist ausserdem eine regelmässige Bedarfs­analyse mit Verbund­partnern, um Forschungs­fragen direkt aus dem Steuerungs­bedarf der Berufsbildungs­politik abzuleiten. Weitere Empfehlungen betreffen die Stärkung der Valorisierung, eine jährliche Berufsbildungs­forschungs­tagung zur Vernetzung, die Überprüfung der Zusammen­setzung des wissenschaftlichen Beirats sowie die Prüfung von Kooperations­möglichkeiten mit SNF und Innosuisse.

Hier Bericht herunterladen